Nach dem Sieg gegen Glyphosat, das für das Bienensterben verantwortlich ist, wollten die Insektizidhersteller Monsanto & Co neue extrem schädliche Stoffe in Umlauf bringen. Dabei haben sie eine enormen Rückschlag einstecken müssen: das Glyphosat-Ersatzmittel Sulfoxaflor ist nur in Gewächshäusern zugelassen.

 

Im folgenden lesen Sie den Newsletter vom Umweltinstitut München und weitere Informationen vom Umweltinstitut.

 

Sulfoxaflor ins Gewächshaus verbannt

Liebe Freundinnen und Freunde des Umweltinstituts,

seit zwei Jahren kämpfen wir gegen die Zulassung von Insektiziden mit den neuen Wirkstoffen Sulfoxaflor, Cyantraniliprol und Flupyradifuron in Deutschland. Die Mittel wirken ganz ähnlich wie die Neonicotinoide, die vergangenes Jahr wegen ihres hohen Risikos für Bestäuber im Freiland verboten wurden. Nun wurde dennoch eine Genehmigung für das sufloxaflorhaltige Mittel „Closer“ erteilt.

Doch auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussehen mag: Diese Nachricht ist eine gewaltige Schlappe für den Hersteller DowAgroSciences. Denn die Zulassung wurde auf den Einsatz in Gewächshäusern beschränkt. Für „Closer“ gelten also die gleichen Einschränkungen wie für die Neonicotionide. Durch frühzeitige Aufklärungsarbeit und Ihre Unterstützung konnten wir fürs Erste den Plan der Industrie vereiteln, die im Freiland verbotenen Insektengifte durch Sulfoxaflor zu ersetzen. Für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge heißt das: Auf den allermeisten Flächen bleiben sie von den verheerenden Auswirkungen des Gifts verschont.

Wir werden den Druck nun weiter aufrechterhalten. Denn neben „Closer“ sind Anträge für weitere neue Insektengifte in Bearbeitung. Und unser Ziel bleibt es natürlich, den Einsatz der Ackergifte ganz – also auch in Gewächshäusern – zu verbieten! Alle Informationen zur Zulassung des Insektengifts finden Sie in unserer aktuellen Meldung.

Kampf gegen Zulassung neuer Insektengifte

(09.01.2019) Seit zwei Jahren kämpfen wir gegen die Zulassung neuer Insektengifte an, die die im Freiland verbotenen Wirkstoffe aus der Gruppe der Neonicotinoide ersetzen sollen. Nun wurde in Deutschland das erste Mittel mit dem neuen Wirkstoff Sulfoxaflor genehmigt. Für die Industrie hält der Zulassungsbescheid allerdings eine Enttäuschung bereit.

In seiner Wirkung ist Sulfoxaflor den Insektengiften aus der Gruppe der Neonicotinoide, sehr ähnlich. Sie können bereits in sehr kleinen Mengen Insekten töten oder ihr Nervensystem schädigen und sind deshalb besonders bienengefährdend. Dies war auch der Grund dafür, weshalb die drei Neonicotinoide Thiamethoxam, Imidacloprid und Clothianidin im April 2018 für den Einsatz im Freiland EU-weit verboten wurden.

Während ImkerInnen, NaturschützerInnen und WissenschaftlerInnen vor Sulfoxaflor warnen, weil seine Wirkung den „Neonics“ so ähnlich ist, ist diese Ähnlichkeit auch der Grund, warum die Agrarindustrie große Hoffnungen auf die Zulassung von Mitteln mit dem Wirkstoff gesetzt hatte: Das neue Gift sollte die alten Gifte im Freiland ersetzen.

Doch daraus wird nichts: Denn der Zulassungsbescheid für das Mittel „Closer“ beschränkt die Anwendung auf Gewächshäuser. Für „Closer“ gelten damit die gleichen Einschränkungen wie für die Neonicotionide. Für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge heißt das, dass sie auf den allermeisten Flächen von den verheerenden Auswirkungen des Gifts verschont bleiben. Für DowAgroSciences dürfte der Zulassungsbescheid dank dieser Auflagen dagegen ein herber Rückschlag sein.

Trotz des Freilandsverbots ist der Genehmigungsbescheid problematisch. Denn Gewächshäuser sind keine komplett geschlossenen Systeme. Insekten finden leicht ihren Weg hinein und sind darin als Bestäuber auch willkommen. Nur ein komplettes Verbot kann unsere Bienen, Hummeln und Schmetterlinge daher wirksam schützen.

Vorgeschichte: EU-Zulassung trotz bekannter Gefahren

Der insektizide Wirkstoff Sulfoxaflor wurde 2015 in der Europäischen Union zugelassen. Das die Genehmigung überhaupt erteilt wurde, grenzt an einen Skandal. Denn wichtige Unterlagen zur Auswirkung auf Bestäuber und andere Nichtzielorganismen lagen zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht vor.
Doch schon die vorhandenen Daten, die vom Hersteller bei der Antragstellung eingereicht werden müssen, reichten aus um festzustellen, dass ein hohes Risiko für Honigbienen nicht ausgeschlossen werden kann. Zudem bestehen laut der EFSA beim Einsatz von Sulfoxaflor in bestimmten Kulturen auch Langzeitrisiken für kleine, pflanzenfressende Säugetiere.

Ist ein Wirkstoff auf EU-Ebene aber erst einmal zugelassen, können die Mitgliedstaaten auch Pestizidmischungen genehmigen, die den Wirkstoff enthalten. Sulfoxaflor kommt daher schon in mehreren Mitgliedstaaten zur Anwendung, ohne dass Klarheit darüber herrscht, wie gefährlich das Insektizid für bestäubende Insekten tatsächlich ist. Wir lassen aktuell die Studien aus dem Zulassungsverfahren durch unabhängige WissenschaftlerInnen überprüfen.

 

Foto © Andrea Hofmann