Pestizide sind immer und überall. Pestizide sind immer und überall? Nein. Die kleine Gemeinde Mals in Südtirol hat gemeinsam beschlossen, pestizidfrei zu sein. Nun gibt es eine Dokumentation, die diesen Kampf, den die Gemeinde ficht, über Jahre dokumentiert. Und der Kampf geht weiter. Denn Politik und Pestizidwirtschaft wollen die Gemeinde zwingen, Pestizide zu verwenden.

Wird die Gemeinde den Kampf gewinnen? Das ist nicht sicher, denn wer kämpft, kann verlieren. Wer aber nicht kämpft, hat schon verloren. (Zitat aus dem Trailer von Alexander Schiebel, Regisseur „Das Wunder von Mals“)

Trailer „Das Wunder von Mals“ from Alexander Schiebel on Vimeo.

 

Text im Folgenden vom Umweltinstitut München

Liebe Freundinnen und Freunde des Umweltinstituts,

den Bürgerinnen und Bürgern im Südtiroler Dorf Mals gelang vor vier Jahren etwas Unglaubliches: Mit einer Mehrheit von 76 Prozent entschied die Gemeinde in einer Volksabstimmung, dass auf ihrem Boden künftig keine chemisch-synthetischen Pestizide mehr eingesetzt werden sollen. Dieses Ergebnis wirkt bis heute weit über die Gemeindegrenzen hinaus. Die Presse berichtete europaweit. Ein Professor aus Vermont schrieb für den US-Markt ein Buch über den Fall. Wir brachten den Malser Bürgermeister auf die Demo „Wir haben es satt“ in Berlin und Vandana Shiva, eine Ikone des Widerstands gegen Gentechnik, lud ihn zu Vorträgen nach Indien ein.

Filmregisseur und Buchautor Alexander Schiebel hat gemeinsam mit dem Umweltinstitut den Widerstand der Gemeinde von Anfang an begleitet. Am 28. Mai feiert sein Dokumentarfilm „Das Wunder von Mals“ nun in München Premiere. Der offizielle Kinostart folgt im September dieses Jahres. Weitere Infos zum Film finden Sie auf der Homepage zu „Das Wunder von Mals“.

Das Engagement der Malser BürgerInnen hat viele weitere Menschen motiviert: Benedikt Vierneisl ist einer von ihnen. Im Januar versammelte der Gärtner VertreterInnen aus Umweltschutz, Kommunalpolitik und Bio-Landwirtschaft in Miltenberg. Hier, wo Bayern, Hessen und Baden-Württemberg zusammentreffen, riefen sie das „Aktionsbündnis Giftfrei im Dreiländereck“ ins Leben. Unser Referent für Agrarpolitik berichtete auf dem Gründungstreffen, wie es Mals gelungen ist, Pestizide zu verbannen.

Und auch in Italien wächst der Widerstand gegen Pestizide. Am vergangenen Sonntag fand in Südtirol, im Trentino und in Venetien ein Aktionstag gegen die Gifte statt. Alleine im venetianischen Dorf Follina gingen rund 4.000 Menschen auf die Straße. Aus ihrer Umgebung kommt der Prosecco und die AnwohnerInnen leiden unter den häufigen Spritzungen im intensiven Weinbau. Ihr Motto ist klar und einfach: Stop Pesticidi!

In Mals ist das Pestizidverbot derweil nach einer langen juristischen Auseinandersetzung in Kraft getreten. Am 1. April ist die letzte Übergangsfrist abgelaufen. Wer jetzt noch spritzt, muss bis zu 500.000 Euro Strafe zahlen. Unsere Verbündeten in Mals stellen sich aber auf Klagen gegen das Pestizidverbot ein. Denn der Bauernbund und die Landesregierung sehen den Malser Weg nicht als Vorbild, sondern als Gefahr.

Wir werden berichten, wie es in Mals weitergeht und Initiativen für weitere pestizidfreie Regionen unterstützen!
Mit herzlichen Grüßen,
Ihr Team des Umweltinstitut München