TEIL 3: HINTERGRÜNDE & ZUSAMMENHÄNGE: Systemisches Denken und Systemische Aufstellung

Die Aufstellung einer Ausstellung. Die Systemische Aufstellung einer Kunstausstellung. Die Strukturaufstellung von Kunstwerken im Raum.

Aufstellung der Ausstellung: es geht um eine andere Art der Kunstvermittlung, des Kunsterlebnisses.

Lesen Sie mehr über ihren Ablauf, das Ergebnis und die Wurzeln der Systemischen Aufstellung in Psychotherapie, Naturwissenschaft, Philosophie und Soziologie.

Foto von Systemischer Aufstellung der Kunstausstellung "Homecomings", zu sehen sind die zwei Kuratorinnen, die Schilder mit den Kunstwerken für die Teilnehmenden verteilen.

Systemische Aufstellung der Kunstausstellung Homecomings, Berlin

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TEIL 1: WAS DAVOR GESCHAH Homecomings: Die Ausstellung vor der Aufstellung

TEIL 2: DER KONKRETE ABLAUF: Die Aufstellung der Ausstellung is coming home

TEIL 3: HINTERGRÜNDE & ZUSAMMENHÄNGE: Systemisches Denken und Systemische Aufstellung

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TEIL 3: HINTERGRÜNDE & ZUSAMMENHÄNGE: Systemisches Denken und Systemische Aufstellung

Systemisch – was ist das?

Systemische Bezüge gibt es – je nach Definition des Systems – überall. Die systemische Herangehensweise bedeutet, etwas als System zu definieren und die untergordneten Teile entsprechend als Teil dieses Systems.

Nach der These des Systemischen stehen alle Teile des Systems in Beziehung. Verändert sich ein Teil des Systems, so bedeutet dies, das diese Veränderung sich auf das ganze System, auf alle andere Teile auswirkt beziehungsweise auswirken kann.

Beispiele für Systeme sind vielfältig und unzählig: der menschliche Körper, eine Familie, eine Stadt, ein Land, die Erde, das Universum, ein Molekül, ein Atom …

Systemisches – von Psychotherapie über Biologie bis Philosophie

Der systemische Ansatz hat sich in verschiedenen Fachbereichen entwickelt – teilweise unabhängig voneinander, teilweise sich gegenseitig beeinflussend.

In der Psychologie und Psychotherapie entwickelte Virginia Satir ihre Familienskulptur als systemischen Ansatz in den 50er, 60er und 70er Jahren.

Auf dem Gebiet der Philosophie entwickelte sich im 20, Jahrhundert der Konstruktivismus mit mehreren Strömungen. Als wichtigste in Bezug auf Systemische Theorie ist hier der Radikale Konstruktivismus (RK) zu nennen mit Ernst von Glasersfeld als Begründer. Glasersfeld war unter anderem angeregt von Jean Piaget, der aus der Psychologie kam.

Eine weitere Verschränkung der Fachbereiche zeigt sich durch die Neurobiologen Humberto Maturana und Francisco Varela, die für den Bereich Biologie das Konzept der Autopoieses (Selbstformung) entwickelten und als Hauptvertreter des Radikalen Konstruktivismus gelten, obwohl sie selbst als Konstruktivisten bezeichnet werden möchten.

Ihre Arbeit strahlte wiederum in andere geistesn- und sozialwissenschaftliche Bereiche wie beispielsweise die Soziologie, wo Niklas Luhman in den 80er Jahren aus der Vorlage von Maturana und Varela die soziologische Systemtheorie entwickelte.

Das Systemische in der Psychotherapie am Beispiel von Virginia Satir

„Ich glaube daran, dass das größte Geschenk, das ich von jemandem empfangen kann, ist, gesehen, gehört, verstanden und berührt zu werden. Das größte Geschenk, das ich geben kann, ist, den anderen zu sehen, zu hören, zu verstehen und zu berühren. Wenn dies geschieht, entsteht Beziehung“ Virgina Satir

An diesem Zitat ist der systemische Ansatz zu sehen: das Ich in Verbindung, in Beziehung mit dem Du, das Ich, das aus der Verbindung, der Beziehung mit dem Du erwächst.

Ihre Grundhaltung drückte Virgina Satir in Fünf Freiheiten aus:

Hier kann schon der erste Bezug zur Aufstellung der Ausstellung hergestellt werden: es geht wie in der Kunst um ein subjektives und gleichzeitig möglichst unverfälsches Wahrnehmen der Dinge, der Kunst, und hier, in der Aufstellung der Ausstellung: der Kunswerke – wie in der Ersten Freiheit formuliert.

Weiterhin ging es im weiteren Ablauf der Strukturaufstellung der Kunst auch um die weiteren vier Freiheiten: darum, die eigene Wahrnehmung zu kommunizieren und aktiv umzusetzen, indem beispielsweise eine entsprechende Position im Raum durch die Stellvertreternden der Kunstwerke eingenommen wurde.

Der Konstruktivsmus und seine Bedeutung für die Systemische Aufstellung

Die meisten Varianten des Konstruktivismus gehen davon aus, dass ein erkannter Gegenstand von der betrachteten Person selbst durch den Vorgang des Erkennens konstruiert wird.

Als gemeinsame Basis für alle Strömungen des Konstruktivismus können folgende Punkte gelten(1):

Der Radikale Konstruktivismus sagt aus, dass es nicht möglich ist, eine objektive Realität zu erkennen, da jede einzelne Person sich ihre Wirklichkeit im eigenen Kopf konstruiert.

Ein bekannter Satz, der den Kern des Radikalen Konstruktivismus sehr gut trifft, stammt von Jiddu Krishnamurti: „The Observer is the Observed“ („Die beobachtende Person ist das Beobachtete“).

Diese Haltung ist auch die Basis von Systemischer Aufstellung in der Psychologie und Psychotherapie. Sie ist besonders hilfreich, weil sie für individuelle Probleme eine subjektive Perspektive nicht nur zulässt, sondern sich umfassend darauf einlässt. Die Realtität wird zur Summe der subjekten Individuen.

Die Subjektivität in die Methode nicht nur mit einzubeziehen, sondern sie sogar zu ihrer Grundlage zu erklären, führt bei verantwortungsvollem und umfassendem Umgang gerade nicht in Willkür und Beliebigkeit, sondern zur genau passenden, einfachen, gleichzeitig komplexen und meist prozesshaften Lösung für das Individuum.

Dieser Aspekt der Haltung des Radikalen Konstruktivismus kommt in dem Wort von Jiddu Krishnamurti  „Die Wahrheit ist ein pfadloses Land“ („Truth is a pathless land“) besonders treffend zum Ausdruck.

Was ist eine Systemische Aufstellung? Und was hat das mit Kunst zu tun?

Die Systemische Aufstellung kommt in der Psychotherapie aus den 70er Jahren, Vorreiterin hierbei war Virginia Satir mit ihrer Methode der Familienskulptur. Sie ließ die Familienmitglieder sich selbst aufstellen in den Beziehungen, die sie miteinander hatten. Dadurch zeigte sich – für alle sichtbar – räumlich und direkt das Gefüge der familiären Beziehungen. Vorher Ungesehenes und Unausgesprochenes wurde in dieser Art temporärer Skulptur sichtbar.

Die Familienskulptur wurde dann so verändert, dass die problematischen Aspekte verringert wurden oder ganz verschwanden. Bei diesem Prozess wurden die dahinterliegenden Probleme der Einzelnen und ihre Auswirkungen sichtbar und konnten so, Schritt für Schritt gelöst werden.

Die mannigfaltigen Formen Systemischer Aufstellung

Da grundsätzlich alle Systeme eine Frage der Definition sind, kann alles System sein und somit Thema von Aufstellung. Die Methode ist oftmals noch als Familienaufstellung bekannt, da hier ihre Wurzeln liegen. In der Familienaufstellung werden Familien aufgestellt: Kleinfamilien, Großfamilien, Patchworkfamilien und mehr.

Desweiteren gibt es die Systemische Aufstellung auch für Organisationen wie beispielsweise Firmen und andere Zusammenschlüsse. Hier wird sie entsprechend Organisationsaufstellung genannt. Die Stellvertretenden, die in der Organisationaufstellung mitwirken, können so die Perspektive von Firmen einnehmen, die zusammen arbeiten möchten, von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, von unterschiedlichen Produktionen, Produktionsstätten und vielem mehr. So können auch im voraus Dinge geklärt werden, ohne dass sie unter vielleicht großen Verluste in der Realität experimentiert werden muss.

Schliesslich gibt es die Systemische Strukturaufstellung, zu der auch die Aufstellung der Kunstausstellung zählt. die Anwendungsgebiete sind hier besonders vielfältig. Hier können Dinge oder auch abstrakte Begriffe aufgestellt werden. Diese können auch mit Personen, Familien, Organisationen gemischt werden.

Vielfältige Wissenschaften unter dem Dach der subjektiven Individualität

Psychologie, Psychotherapie, Soziologie, Neurobiologie, Philosophie und Kunst – die Bereiche und Ansätze können auf den ersten Blick sehr unterschiedlich erscheinen.

Doch die Suche nach Problemlösungen, die Komplexität und Individualität einschließen, führte und führt in den unterschiedlichsten Bereichen zu den inhaltlich gleichen oder sehr ähnlichen Ergebnissen.

Der systemische Ansatz erlaubt gleichzeitig Zielorientiertheit und Praxisbezug, Offenheit und Theorieinteresse, Ökonomie und Ökologie und ist dabei verbunden mit Denken, Fühlen und Handeln. Für alle, die mit dem Systemischen – egal in welchem Fachbereich – bereits gearbeitet haben, ist die Formulierung des pfadlosen Feldes von Jiddu Krishmamurti eine erfahrbare Realität.

In der systemischen Arbeit ist es möglich, was im normalen Leben nicht möglich scheint, was eigentlich nicht möglich ist: in die Haut des Anderen zu schlüpfen, stellvertretend. So wird trotz der Trennung der subjektiven Welten eine Art der gemeinsamen Suche nach einer individuell passenden Lösung möglich. Zumindest als Schritt im Prozess, als Schritt auf dem eigenen, subjektiven Weg im pfadlosen Land.

TEIL 1: WAS DAVOR GESCHAH Homecomings: Die Ausstellung vor der Aufstellung

TEIL 2: DER KONKRETE ABLAUF: Die Aufstellung der Ausstellung is coming home

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Mehr Information finden Sie hier:

Aufstellung Überblick Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Aufstellung

Ausstellung
http://de.wikipedia.org/wiki/Ausstellung

Systemische Aufstellung
http://de.wikipedia.org/wiki/Systemaufstellung

Kunstausstellung
http://de.wikipedia.org/wiki/Kunstausstellung

Kunstwerk
http://de.wikipedia.org/wiki/Kunstwerk

Raum
http://de.wikipedia.org/wiki/Raum

Kunstvermittlung / Kunstpädagogik
http://de.wikipedia.org/wiki/Kunstp%C3%A4dagogik

Psychotherapie
http://de.wikipedia.org/wiki/Psychotherapie

Naturwissenschaft
http://de.wikipedia.org/wiki/Naturwissenschaft

Philosophie
http://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie

Soziologie
http://de.wikipedia.org/wiki/Soziologie

Virginia Satir und Familienstruktur
http://de.wikipedia.org/wiki/Virginia_Satir

Systemische Strukturaufstellung
http://de.wikipedia.org/wiki/Systemische_Strukturaufstellung

Systeme Begriffsklärung
http://de.wikipedia.org/wiki/System_(Begriffskl%C3%A4rung)

Was ist systemisch? Erklärung von Hochschule Fulda
http://teamdynamik.net/index.php?id=5860

Konstruktivismus – Definition, Entwicklungen, wichtige Vertreter
http://de.wikipedia.org/wiki/Konstruktivismus_(Philosophie)

Humberto Maturana
http://de.wikipedia.org/wiki/Humberto_Maturana

Humberto Maturana und sein Institut Matriztica – offizielle Webseite
http://www.matriztica.cl/Matriztica/

Soziologische Systemtheorie
http://de.wikipedia.org/wiki/Soziologische_Systemtheorie

Realität
http://de.wikipedia.org/wiki/Realit%C3%A4t

Jiddu Krishnamurti – Philosoph
http://de.wikipedia.org/wiki/Jiddu_Krishnamurti

„Jiddu Krishnamurti: The Observer is the Observed“ („Die beobachtende Person ist das Beobachtete“)
http://www.jiddu-krishnamurti.net/en/1945-1948-observer-is-observed/krishnamurti-the-observer-is-the-observed-46-06

Familienaufstellung – Definition, Erklärung & Beispiele
http://de.wikipedia.org/wiki/Familienaufstellung

Organisationsaufstellung – Definition, Erklärung & Beispiele
http://de.wikipedia.org/wiki/Organisationsaufstellung

Systemische Strukturaufstellung – Defnition, Erklärung & Beispiele
http://de.wikipedia.org/wiki/Systemische_Strukturaufstellung

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ANDREA HOFMANN
Beratung, Coaching, Psychotherapie

Berlin Neukölln / Treptow, Mitte, Prenzlauer Berg und Kreuzberg
Einzeltermine & Gruppenseminare in deutsch & englisch
www.andrea-hofmann.de

Systemische Aufstellung: Familienaufstellung, Strukturaufstellung & mehr
als individueller Termin in Einzelsitzung:
http://www.andrea-hofmann.de/de/methoden-familienaufstellung.html

Systemische Aufstellung, Familienaufstellung & Strukturaufstellung
in der Gruppe (Seminar):
http://www.andrea-hofmann.de/de/seminare-familienaufstellung.html

Systemic Constellations, Family Constellations & Structural Constellations
in a group (seminar) IN ENGLISH:
http://www.andrea-hofmann.de/en/seminars-family-constellations.html

Systemische Aufstellung, Familienaufstellung, Strukturaufstellung & Organisationsaufstellung & mehr
als Ausbildungs-Seminar
http://www.andrea-hofmann.de/de/ausbildungen-familienaufstellung.html

Portraitfoto von Andrea Hofmann, dunkle kurze Haare ("Pixie-Schnitt"), dunkle Augen, lächelt

(1) Pörksen, B.: Schlüsselwerke des Konstruktivismus. Eine Einführung; in: Pörksen, B.: Schlüsselwerke des Konstruktivismus, Wiesbaden 2011, S. 13 – 28, insb. S. 21 – 25