Für alle, die sich regional ernähren, gibt es das Winterproblem. Und vor allem das Frühjahrsproblem. Da gibt es fast nichts, was natürlicherweise wächst.

Da ich immer mehr versuche, mich regional zu versorgen und nun mit bei der Selbstversorger-Kooperative der Kiezwandler/Transitiontown (Berlin, Kreuzberg) bin, gehöre ich nun zu den Glücklichen, die direkt aus Brandenburg mit frischen Demeterprodukten des Löwengartens versorgt werde.

Im Moment gibt es viele Rote Beete und Rüben. Im Frühjahr wird es naturgemäß eher einen Gemüseengpass geben. So möchte ich gerne vorsorgen. Aber das Einwecken braucht auch ganz schön Energie – Strom zum Kochen und meine eigene. Und viele viele Einweckgläser, die ich (noch) nicht besitze. Auch ein Dörrapparat braucht ziemlich viel Strom.

Nun habe ich begonnen, mit Trocknen zu experimentieren. Und ich muss sagen, es geht hervorragend. Ist verhältnismäßig wenig Arbeit. Und braucht wenig Platz. Perfekt für mich als urbane Naturliebhaberin, die nicht übermäßig viel Zeit in Haushaltsführung investieren möchte. Ich habe mittlerweile auch mit anderen von den KiezwandlerInnen gesprochen, die das auch so machen. Und damit sehr zurfrieden sind.

Die Vorteile auf einen Blick
+ ohne Strom
+ geht schnell
+ rein manuell
+ Platzersparnis Endprodukt
+ einfache Handhabung

Meines Erachtens schlägt sie damit die anderen Methoden wie Einwecken, Dörren und Einfrieren. Über das Geschmackserlebnis kann ich dann im Frühjahr berichten. Und da ich das ganze Jahr frisches esse, komme ich im Frühjahr auch mal mit ein paar vitaminärmeren Varianten zurecht. Nehme ich an. Mal sehen!?

Wie gehts?
1. Das Gemüse gründlich waschen und putzen.
Es darf keine faulen Stellen haben.

2. Das Gemüse kleinschneiden.
Circa 2-3 cm lang/breit und 1-2 mm dick. Es darf nicht zu groß sein, sonst fault und schimmelt es.

3. Trocknen.
Dazu auf Gitter oder Teller legen. Je mehr Luft drankommt, desto schneller und besser funktioniert es. Deshalb sind Teller nur bedingt geeignet. Ausserdem brauchen sie viel Stellfläche.
Ich habe mir folgendes ausgedacht: ich habe die Stücke auf einen Bindfaden gefädelt. An beiden Enden des Bindfadens eine Schlaufe angebracht. Dann habe ich mehrere Wäscheklammern auf einen Stuhl gesteckt. Ein paar weitere Wäscheklammern auf das Gitter eines Heizkörpers. Die Schlaufe habe ich jeweils über die Wäscheklammern gezogen. Und dazwischen hingen die Gemüsestückchen wie auf der Leine. Das ist sehr platzsparend und das Gemüse hat maximal viel Luft zum Trocknen.

gemüse an der heizung

Das Trocknen ging ziemlich schnell, obwohl mein Raum nicht geheizt war.

Um ganz sicherzugehen, habe ich die Stückchen noch zwei Tage hängenlassen, nachdem sie sich ganz trocken anfühlten.

getrocknetes gemüse

4. Ernten
Dann eine Schlaufe abschneiden und die Stückchen vom Faden auf den Tisch schieben. Ich finde, sie sehen sehr hübsch aus – wie getrocknete Rosenblätter. Ich habe hier zwei Sorten: Steckrüben und Rote Beete.

getrocknetes gemüse auf dem tisch

5. Abfüllen
Die Stückchen ins Glas füllen. Deckel nur locker auflegen als Staubschutz (Abdeckung aus Stoff geht auch). Ich denke, ein bißchen Luftaustausch ist eine gute Schimmelprophylaxe.

getrocknetes gemüse im glas

6. Essen
Im nächsten Frühjahr dann die Stückchen einfach in Wasser werfen und als Gemüsesuppe aufkochen. Fertig! So ist der Plan. Mal sehen, wie´s wird …

Das Ganze geht natürlich auch mit Obst wie Äpfeln und Birnen.

Viel Spass beim Trocknen, Experimentieren und last but not least: Essen!